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another day in the desert

Tango: Tristezas De Un Doble A

November 26th, 2007


Die rote Flüssigkeit schwappte im Glas, im Takt. Es war dunkel in der kleinen Kneipe, ein warmes, rotes Dunkel, Tabakrauch ließ die Wände zusammenrücken. Die Decke mußte sich knapp über seinem schwach behaarten Kopf befinden. Bis auf ein paar weitere Holztische sah er nichts, wollte nichts sehn, bis auf die Bühne: In violettem Licht bewegten sich die Musiker vor einem schwarzen Vorhang.

Er nahm einen schweren Schluck, prüfte, fand Anerkennung und ließ das leicht brennende Rot langsam seinen Hals hinunterlaufen. Über dem Raunen im Raum schwebte der Klang des sterbenden Bandoneón. Die Melodie raffte sich immer wieder auf, strauchelte, stolperte schnell vorwärts um dann zu fallen, den Schmerz mit langhallendem Ton zu feiern. Nach einiger Zeit kam ein Baß dazu, ein kontinuierliches, ruhiges Gerüst, schleppend, dumpf und beobachtend.
Ein weiterer Schluck, noch erträglicher als der erste, folgte. Das dritte Glas ging zur Neige. Den ganzen Abend hatte er geschwiegen. WIe spät war es eigentlich?

Das Klavier fügte sich dem Rhythmus des Baß, spielte im Wechsel mit dem wehenden Bandoneón kleine Läufe in die Pausen, in denen der Blasebalg des Instruments einer müden Lunge gleich nach Atem rang. Die ganze Zeit hörte die Geige nur zu.

Er trank, viel, zu viel, trank in sich hinein, nahm auf, wurde durchlässig. Er genoß den Schmerz. Er lebte die Enttäuschung der Musik. Die Menschen in der Enge des Zimmers nahm er nicht mehr wahr, sie waren im Rauch untergegangen.

Das Klavier in den roten Lackstilettos schlug nun schneller an und die Geige erhob sich, begann über allem zu Tanzen, in ihrem schwarzen Ballkleid. Das Bandoneón, trotzig bestärkt, wurde lebendiger, gab kontra. Es jagte den hellen, klagenden Klängen der Geige nach, spielte Kaskaden, lief, rannte, doch die Geige ließ sich nicht fangen.
Ein großer, langer Zug aus dem Glas, dann war es leer. Er hatte die Augen geschlossen. Die Musik erfüllte den Raum und er trank sie, atmete sie, wußte, dass ihm niemand helfen konnte.

Eine glänzende Träne floß über das faltige Gesicht, hangelte sich an einem Barthaar entlang und fiel in das Glas.

Das Klavier - wie konnte sie in diesen Schuhen spielen? - bremste den Enthusiasmus und stürzte die Melodie. Erbarmungslos peitschten die mächtigen Akkorde auf das sich windende Bandoneón ein, während der Bass teilnahmslos zusah. Die Geige weinte.

Die Arme vor der Brust verschränkt saß er an dem kleinen, abgenutzten Tisch und starrte durch geschlossene Lider die Tischplatte an. Er erinnerte sich nicht mehr, hatte vergessen, hatte nie zuvor gelebt. Allein die Musik, der Wein, der Rauch…

In diesem Moment wußte das Bandoneón, dass es verloren war, ewig im Sterben, und langsam klang das Lied aus. Der Bass wurde leiser, noch langsamer, die Geige nur noch ein Flüstern, einzelne Tastenklänge und das kriechende Bandoneón.

Der Kopf sank auf die Tischplatte. Sein Atem wurde flach und ruhig. Seine Muskeln entspannten sich. Er war dankbar eingeschlafen.

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Unter “Audio” beim Cuarteto Rotterdam findet man einen Ausschnitt des Stücks, das mir die Idee für diesen Text gegeben hat. Das Konzert in der Gems war einfach wunderschön. Danke!

EDIT: Cuarteto Rotterdam auf youtube

Ja, ich weiß: Es ist lang und viel zum Lesen. Aber der Titel auf der CD geht halt auch 10 Minuten! :)

Glück

November 24th, 2007

Zuerst lauerte es nur. Hinter der Stirn, ein Schatten, dann kroch es durch die Augen. Schnell, damit niemand sonst es entdeckte. Den Hals hinunter, weiter, zum Herzen. Es wartete.

Ich kann nichts sagen. Ich weiß nicht, was es ist, ich merke nur: Es ist da. Es wohnt irgendwo in mir, versteckt sich, leitet sein Gift in meine Gedanken.

Zuerst die Liebe. Manche Situationen bieten sich an, ein Gefühl verlöschen zu lassen, es auszurotten, die Wurzel zu ersticken. Jetzt war die Zeit, er war schwach und sein Kopf gefüllt vom Chaos.

Die große Liebe? Ein Hirngespinst! Die Schmetterlinge sterben nach dem ersten Mal.

Danach die Hoffnung. Schwarze Tinte muß langsam über den Horizont gegossen werden - so, dass das helle Blau langsam zum Grau wird und dann immer dunkler. Am Schluß löscht es nach und nach die Sterne aus, mit einem schwarzen Klecks Farbe ertränkt es sie.

Aufstehen. Duschen. Kaffee. Zähne putzen. Ich stehe auf. Ich wasche mich. Ich trinke einen Kaffee. Ich putze mir die Zähne. Busfahren. Arbeiten. Busfahren.
Zeit töten. Ich töte Zeit. Ich lasse sie einfach vergehen. Ich beobachte sie, wie sie stirbt. Ich schlafe ein. Ich stehe auf. Duschen. Kaffee.

Bald darauf den Glauben: In einem tiefen Schacht spannt sich ein durchsichtiger Boden über dem Abgrund. Der Boden ist aus Glas und perfekt geformt. Die einzelnen Platten fügen sich fast nahtlos zusammen. Die Erschütterung ist unhörbar, doch ziehen sich plötzlich feine Risse über den Boden. An manchen Stellen sind die ideal geformten Platten nur abgesplittert, doch viele sind in der Mitte zerbrochen. Das Wesen muß vorsichtig sein, damit es nicht einbricht und in den Tiefen Schacht des Zweifels stürzt.

Nichts ist, alles scheint, schimmert in falschem Glanz. Ich gehe durch die Stadt und glaube zu sehen. Doch alles leuchtet, bietet sich mir an, biedert sich an, preist sich an, ich würge, doch alles überdrängt mich, geblendet, blind in einem Meer voll falschen Lichts, ich -

Zuletzt das Glück. Es hat sich versteckt, hinter all dem, was bisher vergiftet wurde. Doch nun ist nichts mehr da, nun ist es am Ziel. Wie ein verängstigtes Tier sitzt es in der hintersten Ecke der Seele. Das Wesen lächelt. Endlich…

Ich stehe auf. Ich lebe. Ich schlafe ein. Ich stehe auf. Ich lebe. Ich schlafe ein. Ich stehe auf ich lebe ich schlafe ein ich stehe auf lebe schlafe ein stehe auf lebe schlafe stehe auf lebe schlafe stehe auf schlafe stehe auf schlafe stehe schlafe schlafe schlafe schlafe schlafe

Musikverweise vol. 2: Gitarren von schlimm bis schön + Special

November 21st, 2007

Meine sehr verehrten Lesserinnen und Leser, willkommen zu einer neuen Ausgabe der Musikverweise! Heute beginnen wir mit…

Jetzt auch mit funktionierenden Links!
Edith meint, dass es Sinn macht, eine eigenen Kategorie für die Musikverweise anzulegen. Alle “Musikverweise” werden sich ab sofort in der entsprechenden Kategorie finden lassen. Die Links aus der Sidebar werden nur die “aktuellen” Verweise beinhalten.

…fröhlich-ohrwurmigem Indiepop… Indie deshalb, weil diese Band schon lange an einem “Hit” arbeitet, aber dummerweise noch nie einen echten Hit hatte. Gerade deshalb wärmstens zum Nebenherhören empfohlen. Sehr harmonisch und meines Erachtens großartige Melodien!
Jimmy Eat World - Let it happen

Änny sagte, sie möge das neue Album von Yellowcard nicht - die Lieder seien so rockpoppig… Und zum Beweis, dass die Jungs nicht erst seit den letzten Musikverweisen klasse Musik gemacht haben, hier was älteres:
Yellowcard - Breathing

Hatte sich jemand beschwert, dass die Musikverweise nicht “hart genug” seien. Bitteschön, ein Klassiker! (Auch für Nichtmetaller zu hören.)
Soilwork - One with the flies

Und noch was härteres, immerhin noch mit Keyboards. Schön komplexe Songstruktur mit einem mörderischen Bounce-Teil, bei dem Live sicher die Fetzen in der Moshpit fliegen.
Papa Roach - Getting away with murder

Last but not Least: Moonbootica Live im Kraftwerk Rottweil 2007! Wer sich das Vid bis zum Ende angeschaut hat und sich vorstellen kann, wie extrem genial es gewesen sein mag: U have NO idea…
Moonbootica im Kraftwerk, Beats 2007

(Zum Thema: Moonbootica am 28. 12. 2007 im Top 10 Singen!!!)

Männer und ihre Tage

November 19th, 2007

Heute war ein mieser Tag.

Ich vermute, dass es genügend Leute gab, die keinen besonders angenehmen Tag mit mir hatten und dennoch nichts gesagt haben. Aber ich weiß es: Heute war ich mehr oder weniger unausstehlich und hab auch keinen Hehl draus gemacht.

Sorry.

Sandra sagte dann was: “Hey, ich glaub du hast wohl deine Tage!”

Möglicherweise hat sie nicht mal unrecht. Richtig gehört! Männer können sehr wohl auch ihre Tage haben, und dann sind sie nicht nett, und sie können auch wenig dagegen tun (im Endeffekt hat das bisschen, was sie tun können, eher einen “Papiertaschentuch-auf-Nagelbrett”-Effekt).

Hier gilt: Abstand halten, nicht reizen, notfalls mit Bier / Fastfood / irgendetwas anderem Konsumierbarem füttern und lieb sein. In kurzer Zeit hat sich die Sache gegessen und alles ist wieder normal.

Je nach Empfindlichkeit auch bitte bestimmte Sätze vermeiden:
- “Was ist denn los?”
- “Du bist heute so seltsam / aggro / still / (egal was)…”
- “Du solltest / müßtest / kannst doch nicht … ”

Ich glaub man kann erkennen, worauf es hinausläuft. Es muss keinen Grund geben (daher: Tage!), also einfach in Ruhe lassen. Der Kerl meldet sich schon, wenn er reden möchte. Ansonsten einfach aussitzen und sobald es wieder besser geht, wird mann sich dankbar zeigen, dass frau so viel Verständnis hatte.

In diesem Sinne:

(By the way: Jaaaa, das habe ich extra für wortwelt.eu schnell zusammengebastelt. Inklusive neuem youtube-Channel! Das Lied ist von Clemens Bittlinger und das Video dient quasi nur als Vehikel. Hab eigentlich nur Vorspann und Abspann drangebastelt. Viel Spaß beim hören. Und Sandra: Danke für die Idee zu diesem Eintrag!)

Dem Tod noch mal von der Schippe…

November 17th, 2007

Kauf dich glücklich!

November 17th, 2007

Ich gebe gern zu, dass StudiVZ praktisch sein mag. Aber manchmal gibt es Momente, da hasse ich die Plattform für das, was sie so tut… Beispielsweise für die ganze Werbung, die einem um die Ohren gehauen wird. Schon klar, Server müssen finanziert und unterhalten werden etc pp.

ABER:

studiVZ | Boutique

Es war nur eine Frage der Zeit. Und während ich verstehe, dass es so weit kommen mußte… Hätte man nicht einen, sagen wir, nicht so offensichtlich doofen Werbespruch wählen können? Kauf dich glücklich… Also bitte! Dieses Gebot des Konsumkapitalismus, das ein Versprechen enthält, das schon seit Menschen denken können, nie wirklich funktioniert hat.

Ich find das irgendwie eklig.

Und plump.

Und unpoetisch.

“So, ich geh mich jetzt mal glücklich kaufen… Oh toll, ein Lenovo (te äm) Notebook, ich überweise 699,99€, hach, wie macht das glücklich…!”

Echt, bei solchen Sätzen könnt ich kotzen.

Warten.

November 15th, 2007

So - die Arbeiten sind raus.
Nr. 1 und Nr. 2 sind wirklich okay, Nr. 3 eine mittlerer bis schwerer Fall von heißer Luft und Nr. 4… hat 5 Seiten zu wenig.

Danke schon mal an alle, die mitfibern, mitgefiebert haben… JETZT hab ich richtig Angst, und es ist echt gut zu wissen, dass es Leute gibt, die das interessiert.

Danke schon mal an…

Tonno… fürs Weichklopfen.
Lailah… fürs in die Pfanne haun und Platte heiß machen.
Sandra… fürs stundenlange Wenden.

Oha, jetzt hab ich bestimmt welche vergessen… sorry. Ich revanchier mich bei Gelegenheit.

Vorausgesetzt ich bin dann wieder Student.

Nur noch 12 Stunden

November 14th, 2007

Sonntag

Nr. 1 70%
Nr. 2 0%
Nr. 3 0%
Nr. 4 0%

Montag

Nr. 1 100% fertig!
Nr. 2 10%
Nr. 3
Nr. 4

Dienstag, frühmorgens:

Nr. 1 100% fertig!
Nr. 2 100% fertig!
Nr. 3 5% (<– ich hab Ideen…)
Nr. 4

Mittwoch

Nr. 1 100% fertig!
Nr. 2 100% fertig!
Nr. 3 20% bisher
Nr. 4

Donnerstag… Abgabe.
Nr. 1: 100% Fertig und “quite good”
Nr. 2: 100% fertig
Nr. 3: 100% fertig und viel heiße Luft
Nr. 4: 30%… aber ein gnädiger Prof!

Nr. 1: 15 Seiten (all inclusive) Hausarbeit über die Konstruktion von Heiligkeit in der Vita Sancti Otmari Abbatis.
Nr. 2: Referatszusammenfassung, 3 Seiten.
Nr. 3: ca. 10 Seiten Hausarbeit zu einem “sozialgeschichtlichen Thema” <– the BIG problem
Nr. 4: 6-8 Seiten Essay zu Kinderhexenprozessen. Da werd ich was nettes improvisieren müssen.

wtf WoW pwnz - Hä?

November 13th, 2007

Wie krass hab ich euch schon mit WoW vollgelabert?”

Also ich, öhm, hab 15 / 15 Fragen richtig beantworten können.

Jetzt mach ich aber weiter… mit dem Uni-Zeugs.

Gefängnis

November 11th, 2007

In der kleinen Gefängniszelle gab es kaum Platz. Er konnte sich nicht wirklich hinlegen, kauern war möglich, gerade so. Seine Kleidung verdreckt und zerrissen, grau, so saß er da. Verwildert und dennoch völlig harmlos, wenn man in seine Nähe kam. Er blickte nicht auf, als man ihm das Essen durch die Gitterstäbe schob, blickte nie auf, sah niemanden an, der durch den schmalen, dunklen Gang vor der Zelle ging.
Er kaute. Der Geschmack des Essens drang nicht mehr durch, eine formlose, fade Masse, die er mit der Zunge durch seine Mundhöhle schob. Es war ihm egal. Er schluckte. Er atmete. Seinen Körper hatte er zwischen die beiden Wände geklemmt, er saß so, dass kein Muskel zu sehr angespannt war, damit er seine Haltung nicht wechseln mußte.
Starr blickte er den Beton an, starrte, sah nichts außer dem Grau der Wand, atmete, starrte.

Er hatte sogar aufgehört, zu warten.

Es kam niemand, noch passierte irgendwas, bis auf die alltäglichen, sich ewig wiederholenden Geräusche gab es nichts, was sich jemals veränderte.
Er erduldete nicht mehr, litt nicht mehr, dachte nicht mehr. Erinnerungen beschränkten sich auf das Grau der Zelle, die Gitterstäbe, auf Atmen und Ausatmen, auf Kauen und Schlucken. Jeden Tag wachte er auf und schlief abends ein.
Er aß. Er schlief. Er starrte.

Nichts geschah.

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